Zunehmende Staatstätigkeit und Wirtschaftliche Entwicklung PDF

Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen. Als Staatsverschuldung bezeichnet man die zusammengefassten Schulden eines Staates, also die Verbindlichkeiten des Staates gegenüber Dritten. Die Staatsverschuldung verursachte in ihrer bis auf das Römische Zunehmende Staatstätigkeit und Wirtschaftliche Entwicklung PDF zurückzuverfolgenden Geschichte immer wieder Krisen der Staatsfinanzen. Der römische Politiker Marcus Tullius Cicero forderte bereits 55 v.


Författare: Konrad Littmann.

Es gibt wenig Aussagen im wirtschaftswissenschaftlichen Schrifttum, die eine so weite Anerkennung und Verbreitung gefunden haben wie Adolph Wagners "Gesetz der wachsenden Ausdehnung der offentlichen. insbesondere der staatlichen T?tigkeit". Erstmals in einer Zeit ausgesprochen (1861), in der die Staatst?tigkeit entsprechend den damals vorherrschenden Interessen und Idealen sich in ?uBerst bescheidenen Grenzen hielt, hat diese Voraussage – um ein "Gesetz" im strengen Sinne des Wortes handelt es sich dabei selbst­ verst?ndlich nicht – seitdem eine wohl auch von Wagner selbst kaum ge­ ahnte Best?tigung gefunden. GewiB ist diese Entwicklung durch die finan­ ziellen Auswirkungen der beiden Weltkriege und die Steigerung der Aus­ gaben auf milit?rischem Gebiete beschleunigt worden. Von entscheidender Bedeutung sind jedoch die Stl’1lkturwandlungen der modernen Industrie­ gesellschaft, die im Zusammenhang mit der Entwicklung zur modernen Massendemokratie die Ursache fur die Herausbildung des heutigen "Ver­ sorgungsstaates" bilden. Angesichts dieser allseitig bekannten und auch in der tiffentlichkeit viel­ es seltsam erscheinen, daB die wirtschafts­ fach diskutierten Entwicklung mag und finanzwissenschaftliche Theorie sich nur zogernd an die Analyse des in diesen Tatsachen zum Ausdruck kommenden Geschehens herangetastet hat. Vor einem Menschenalter konnte der Verein fur Socialpolitik die "Wand­ lungen des Kapitalismus" zum Gegenstand seiner Zuricher Tagung (1928) machen, ohne daB dem Thema der steigenden offentlichen T?tigkeit nennens­ werte Beachtung geschenkt wurde.

Der Merkantilismus stand spätestens seit 1689 wegen seiner positiven und umfassenden Einstellung zur Staatstätigkeit der Staatsverschuldung positiv gegenüber und betrieb eine systematische langfristige Staatsverschuldung. Die Physiokraten wandten sich vom schuldenfreundlichen Merkantilismus ab und bezogen die Gegenposition. Auch bei den klassischen Ökonomen gab es eine Abkehr von der merkantilistischen Schuldenpolitik. Staatskredit die Ursache für Kriege sah. David Ricardo sah 1817 in Staatsschulden die schrecklichste Geißel, die je zur Plage der Nationen erfunden wurde. Die schuldenfreundlichen Vertreter übersahen jedoch die negativen Auswirkungen, die zu Moratorien oder Staatsbankrott führen konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Staatsverschuldung Ausmaße an, die die Ratingagenturen 1982 bewogen, die steigenden Länderrisiken mit einem Staatsrating zu bewerten.

Die Bewertung der Staatsverschuldung ist in den Wirtschaftswissenschaften kontrovers: Während David Ricardo und viele seiner Zeitgenossen sie missbilligten, lässt sich aus keynesianischer Sicht eine vorübergehende Staatsverschuldung zur Glättung des Konjunkturverlaufs rechtfertigen. Staaten können sich nur begrenzt verschulden, da ab einem bestimmten Verschuldungsgrad Investoren und Gläubiger an der Rückzahlungsfähigkeit zu zweifeln beginnen. Die Einschätzung der Bonität hängt in erster Linie von der Primärüberschussquote ab, also dem Haushaltssaldo ohne Berücksichtigung der Zinszahlungen, bezogen auf das BIP. Für Staaten mit hoher Staatsverschuldung erhöhen sich im Allgemeinen nicht nur die Zinssätze, die die Investoren für ihre Kredite verlangen, sondern es verringert sich auch die Anzahl derjenigen Investoren, die überhaupt noch bereit sind, Geld zur Verfügung zu stellen. Entscheidungen der Exekutive auszuführen, kann die Regierung geldpolitische Entscheidungen treffen, also beispielsweise die Geldmenge vermindern oder erhöhen. Verlust an Glaubwürdigkeit und Kreditwürdigkeit führen. Außerdem kann eine Inflation neben einer vielleicht gewünschten Wirkung der Abwertung des Außenwertes auch zu einer unerwünschten Entwertung des Geldvermögens in der betreffenden Währung führen.

Auch die seit 2013 eingeführte Politik der Quantitativen Lockerung wird von Kritikern als eine Form der indirekten monetären Staatsfinanzierung betrachtet, die sich kaum noch von der direkten Finanzierung unterscheidet. Außerdem verfolgt die Geldpolitik der EZB seit 2013 das Ziel, bei Zinsen gegen Null eine moderate Inflation, also auch die langsame Entwertung des Geldvermögens, zu erzeugen. Im Zusammenhang mit der Thematik der direkten Staatsfinanzierung durch Zentralgeld steht auch das Konzept des direkten Zentralgeldtransfers an die Bürger, das seit 2013 unter der Bezeichnung Helikoptergeld bekannt geworden ist. Seit 2013 hat auch das Thema der direkten Staatsfinanzierung an Aktualität gewonnen und wird zunehmend kontroverser diskutiert. Hinter dieser Klassifizierung steht der stark vereinfachende Gedanke, dass interne Schulden des Staates Schulden an sich selbst nahekommen. Hinter dieser Klassifizierung steht der Gedanke, ob ein Staat eventuell selbst die Währung beeinflussen kann, in der er seine Kapitaldienste zu leisten hat. Bei Schulden in einer nationalen Währung und einer hohen Abhängigkeit der nationalen Zentralbank von den Staatsregierungen wäre das der Fall.

Insbesondere in einem föderalen Staat kann es verschiedene Körperschaften, z. Bund, Länder, Städte und Gemeinden geben, die eine Verschuldung aufgenommen haben. Genauso können mit mehreren Staaten gemeinschaftlich Schulden aufgenommen werden, wie dies auch für Projekte in der EU der Fall ist. Des Weiteren ist zu unterscheiden, ob Schulden im Kernhaushalt einer Gebietskörperschaft oder in einem Extrahaushalt aufgenommen worden sind. Zu unterscheiden sind etwa in Europa die veröffentlichten Kreditmarktschulden der öffentlichen Haushalte in finanzstatistischer Abgrenzung, der Maastricht-Schuldenstand und der umgangssprachliche Schuldenstand. Hier wird zumeist nach der Finanzierung der konjunkturellen und der strukturellen Haushaltsdefizite durch Staatsverschuldung klassifiziert. Konjunkturelle Defizite halten sich per Definition langfristig mit konjunkturellen Überschüssen in der Waage, das heißt konjunkturellen Defiziten im Konjunkturabschwung stehen konjunkturelle Überschüsse im Konjunkturaufschwung gegenüber.

Bei der bisher dargestellten Staatsverschuldung handelt es sich um die explizite Staatsverschuldung. Das sind sämtliche aus dem Staatshaushalt unmittelbar erkennbaren Verbindlichkeiten wie etwa Staatsanleihen. Folgen der Schattenverschuldung in den Euroländern. Kritisiert wird an den amtlichen Darstellungen der Staatsschuld, dass neben der veröffentlichten Verschuldung weitere Verbindlichkeiten existieren können, die nicht, nur begrenzt oder in anderen Zusammenhängen veröffentlicht werden, obwohl sie wirtschaftlich in vollem Umfang vom Staat zu tragen sind. Daneben wird teils der Begriff der impliziten Staatsschuld verwendet, der vor allem künftige Pensions- und Rentenzahlungen umfasst.

Staatliche Extrahaushalte und Sondervermögen werden nach dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen als Teil der staatlichen Gesamthaushalte diesen zugerechnet. Die Wirkung der Staatsverschuldung auf nationale und internationale Volkswirtschaften kann an folgendem Beispiel abgelesen werden. Haushalte hat, da die Haushalte die zukünftigen Steuerzahlungen, die durch die gegenwärtige Verschuldung bedingt sind, schon in der Gegenwart durch Sparen antizipieren. Haushalte entschärft, weil ihnen mehr liquide Mittel zur Verfügung stehen. Die Beurteilung der Bekämpfung der Staatsverschuldung durch Sparmaßnahmen kann einer sogenannten Rationalitätenfalle unterliegen. Ich habe zu hohe Schulden, also muss ich sparen.

Die Verschuldung des Staates verteilt sich auf inländische und ausländische Gläubiger. Die Verschuldung gegenüber diesen beiden Gläubigergruppen ist unterschiedlich zu beurteilen. Wenn Kreditinstitute ihrerseits das Geld bei einer Zentralbank aufnehmen, leiht mittelbar die Zentralbank dem Staat Geld. Finanzierungskosten der Unternehmen und verdränge deren geplante Investitionen, weshalb Wettbewerbsfähigkeit wie Wirtschaftswachstum litten. Um Ausgaben der Regierung zu finanzieren, besteht in Ländern mit einer nicht unabhängigen Zentralbank häufig der Anreiz, dies allein durch Geldschöpfung der Zentralbank erfolgen zu lassen. Die Wirtschaftsentwicklung Japans in den 30er Jahren zeigt dagegen auf, dass die Finanzierung der Staatsausgaben über Geldschöpfung und Ausweitung der Geldmenge auch zu einer Überwindung der Krise bei mäßiger Inflation führen kann.

Keynesianisch wird staatliche Verschuldung als wirtschaftspolitisches Mittel sowohl gegen Deflationen als auch zur Überwindung von Nachfragelücken gesehen. Das Deficit Spending kommt für eine richtig verstandene keynesianische Politik erst nach einer Lockerung oder Aufgabe der in vielen Fällen für eine Wirtschaftskrise verantwortlichen restriktiven Geldpolitik. Nach Meinung keynesianischer Theoretiker solle der Staat eine antizyklische Haushaltspolitik betreiben. Ob eine zusätzliche Erhöhung der Staatsschulden zu haushaltskonsolidierendem Wachstum führen kann, ist in Fachkreisen umstritten. Im Falle Japans etwa konnten trotz jahrelanger keynesianischer Wirtschaftspolitik keine nennenswerten Wachstumsraten erzielt werden. Inwieweit hohe Staatsschulden zu volkswirtschaftlichen Verwerfungen führen können, hängt davon ab, in welchen Größenverhältnissen die Staatsschulden von inländischen und ausländischen Gläubigern getragen werden.

Auslandsschulden entziehen sich hingegen unmittelbarer finanzpolitischer Einflussnahme. Kontrovers diskutiert wird die verteilungspolitische Wirkung der Staatsverschuldung. Die Zinslast, die vom Staat durch Steuern oder Ausgabenkürzungen aufgebracht werden muss und an die Gläubiger bezahlt wird, mindert den Spielraum des Staates und verlangt somit politische Entscheidungen. Sollen die Steuern nicht erhöht werden, sinken damit die Anteile des Haushaltes, die zur Umverteilung beitragen, sofern nicht andere Ausgaben noch stärker zu deren Gunsten gekürzt werden. Sind jedoch schuldenfinanzierte Investitionen des Staates zum Beispiel in Infrastruktur oder die zeitweise Stützung von Unternehmen sinnvoll, um nachhaltige Steuereinnahmen zu begünstigen oder zu sichern und so den oben genannten Effekt mehr als ausgleichen, steigert diese Maßnahme den Verteilungsspielraum des Staates. Diese Idee findet sich auch in den Begründungen für Konjunkturpakete in Krisenzeiten. Wenn in einem Land sowohl ein Haushaltsdefizit des Staates als auch ein Leistungsbilanzdefizit besteht, spricht man von einem Zwillingsdefizit.

Die zunehmende Staatsverschuldung wird in dieser Situation teilweise über Auslandskredite finanziert. Um die Staatsverschuldung verschiedener Länder vergleichen zu können, muss berücksichtigt werden, dass die Volkswirtschaften unterschiedlich groß sind. Allgemeinen die Staatsschulden als unkritisch gelten. Von 2007 bis 2011 stieg die Schuldenquote weltweit dagegen in 83 Ländern an, während sie in 39 Ländern reduziert werden konnte und in 48 Ländern etwa gleich blieb. Länder ohne Staatsverschuldung, eines davon ist Liechtenstein. In der Geschichte waren Kriege und Wirtschaftskrisen die wesentlichen Antriebskräfte für steigende Verschuldung.

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