Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Vol. 23 PDF

Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Vol. 23 PDF ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel. Der Vernagtferner ist ein Gletscher in den Ötztaler Alpen in Tirol. Der Vernagtferner ist der historisch wohl am besten dokumentierte Gletscher der Ostalpen. Grund hierfür sind die durch ihn verursachten Gletscherseeausbrüche, die vom 16.


Författare: Johannes Emmer.

Der Vernagtferner befindet sich nördlich oberhalb des Rofentals, einer Verlängerung des Venter Tals, das wiederum ein Seitental des Ötztals ist. Wissenschaftlich wird der Gletscher von West nach Ost in drei Bereiche unterteilt, in den Schwarzwand-, den Taschachjoch- und den Brochkogelbereich. Der Brochkogelbereich entspricht dem auf vielen Karten als Kleiner Vernagtferner bezeichneten Teil. Der Vernagtferner und der benachbarte Hintereisferner zählen zu den am frühesten erforschten Gletschern der Erde. Der Grund dafür ist, dass der damals wild zerrissene Vernagtferner das Rofener Tal erreichte, sich an der gegenüberliegenden Felswand, der Zwerchwand, aufstaute, und so die Rofener Ache mit einem eisigen Damm absperrte.

Die Abbildung zeigt eine zeitgenössische Darstellung des Rofener Eissees. Sie ist die älteste bekannte Darstellung eines alpinen Gletschers. Er erstreckte sich über 1,7 x 0,4 km und hatte ein Volumen von elf Millionen Kubikmetern. Das Bild zeigt die Landschaft eher phantasievoll, dennoch sind einige Details, etwa die auf dem See schwimmenden Eisberge, korrekt wiedergegeben. 1601 und beschrieben von dem Innsbrucker Bauschreiber Abraham Jäger. Weitere Ausbrüche mit katastrophalen Ausmaßen ereigneten sich 1678 und 1680. Sie verursachten zudem Ernteausfälle und damit zahlreiche Hungeropfer.

Derartige Katastrophen haben auch dazu geführt, dass man den Gletschern im Ötztal schon sehr früh besondere Aufmerksamkeit schenkte, lange vor Beginn der wissenschaftlichen Gletscherforschung. Der letzte größere Vorstoß des Vernagtferners erfolgte von 1897 bis 1902. Dabei erreichte er zwar nicht mehr das Rofental, dennoch erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit des Eises in dieser Zeit dramatisch von etwa 20 auf fast 300 Meter pro Jahr. Heute endet der Vernagtferner etwa 680 m oberhalb des Rofentals und ist dabei mehr als vier Kilometer von diesem entfernt. Damit ist die Gefahr des Aufstaus der Rofenache durch einen Damm aus Eis seit langem nicht mehr gegeben.

Dafür allerdings hat sich die Menge des vom Gletscher abgegebenen Wassers stark erhöht und die Wasserabgabe unterliegt zudem größeren Schwankungen als bisher, wodurch ebenfalls gefährliche Flutwellen entstehen können, so in den Sommern 1987 und 1998. In den nebenstehenden Diagrammen sind Daten zur Entwicklung des Vernagtferners dargestellt, die durch die Kommission für Glaziologie der BAdW seit 1965 erhoben wurden. Nach einer schwach ausgeprägten Wachstumsphase Mitte der 1970er Jahre hatte der Gletscher 1980 einen kurzfristigen Höchststand erreicht, so der Glaziologe Oskar Reinwarth. Seit Anfang der 1980er Jahre verliert der Gletscher ständig an Masse. Der letzte gletscherfreundliche Sommer, der einen nahezu ausgeglichenen Haushalt aufwies, war 1999.

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