Wilhelm Flitner – Gesammelte Schriften PDF

Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel. Zusammen mit seinem Bruder Alexander von Humboldt zählt er zu den großen, fortwirkend einflussreichen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturgeschichte. Inmitten aller Vielfalt der von aufklärerischen Impulsen bestimmten, gemeinwohlorientierten Betätigungen in Politik, Bildungswesen, Kultur und Wissenschaft hatte Wilhelm von Humboldt wilhelm Flitner – Gesammelte Schriften PDF zugleich die Auslotung und Bildung der eigenen Individualität und Persönlichkeit im Blick.


Författare: Wilhelm Flitner.

In der väterlichen Linie waren die Humboldt-Brüder Sprösslinge pommerscher Vorfahren aus dem Bürgertum. Ihr Großvater Hans Paul Humboldt wurde Kapitän im preußischen Militär und wegen seiner Verdienste 1738 auf eigenes Ersuchen in den Adelsstand erhoben. Schon als 13-Jähriger soll Wilhelm Griechisch, Latein und Französisch gesprochen haben und mit wichtigen Autoren der jeweiligen Literatur vertraut gewesen sein. Sein enormer Studienfleiß weckte nicht selten Besorgnis bei ihm Nahestehenden.

Ab 1785 verkehrten die Humboldt-Brüder in Kreisen der Berliner Aufklärung. Tugendbünden, zu dem sowohl eine Satzung als auch eine Geheimschrift gehörte, kam Wilhelm späterhin in Kontakt mit Caroline von Dacheröden, die dem Bund als auswärtiges Mitglied gleichfalls angehörte. Das Ziel der anspruchsvollen Ausbildung ihrer Söhne lag für die Mutter darin, sie für einflussreiche Staatsämter zu qualifizieren. Wilhelm war für ein Studium der Rechtswissenschaften vorgesehen, Alexander für Staatswirtschaftslehre, die als Kameralia firmierten. In Göttingen löste sich Humboldt aus den vorgegebenen Bahnen und folgte fortan eigenen Impulsen, Interessen und Einsichten. Im Studium widmete er sich weniger der Jurisprudenz und mehr der Philosophie, der Geschichte und den alten Sprachen.

1788 war auch das Jahr, in dem er Caroline von Dacheröden kennenlernte, die er 1791 in Erfurt heiratete. Mit ihrem überlieferten Briefwechsel, für den ein von beiden Eheleuten gepflegter Ton wechselseitiger Idealisierung bezeichnend ist, schufen Caroline und Wilhelm von Humboldt ein Orientierungsmuster des Geschlechterverhältnisses für das deutsche Bürgertum im 19. Alle Laster entspringen beinah aus dem Mißverhältnis der Armut gegen den Reichtum. In einem Lande, worin durchaus ein allgemeiner Wohlstand herrschte, würde es wenig oder gar keine Verbrechen geben. Darum ist kein Teil der Staatsverwaltung so wichtig als der, welcher für die physischen Bedürfnisse der Untertanen sorgt. Nach der Abreise von Paris Ende August setzte Humboldt die Reise noch bis zum November des Jahres mit einem längeren Aufenthalt in der Schweiz fort. Als Folge seiner Reiseerfahrungen kann ein Bedürfnis nach regelmäßigem Wechsel seiner äußeren Umwelt angenommen werden, nach Wohnortwechseln über Ländergrenzen hinweg.

Weihnachtstage 1789 hielt sich Wilhelm von Humboldt mit seiner Verlobten in Weimar auf und hatte dort erste Begegnungen mit Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Nach der Hochzeit in Erfurt am 29. Juni 1791 lebte das junge Paar während der darauffolgenden zweieinhalb Jahre auf den Dacheröden’schen Gütern in Thüringen, wo Humboldt nun mit Caroline seine Studien der altgriechischen Sprache, Kultur, Kunst und Philosophie fortsetzte und in regem Gedankenaustausch mit dem Hallenser Altphilologen Friedrich August Wolf vertiefte. Obwohl Humboldt sich an Tiefe nicht mit Goethe, an Dynamik nicht mit Schiller und an Schöpferkraft mit beiden nicht von Ferne messen konnte, hat doch gerade er vielleicht den stärksten, sicher aber den längsten Einfluß auf die deutsche Entwicklung genommen.

Als Humboldt an Silvester 1797 in seinem Tagebuch zurückblickte, erschien ihm die Periode von Mitte 1795 bis zum gerade zurückliegenden Spätherbst als die schlimmste seines bisherigen Lebens. Daran hatten nicht nur Erfahrungen von Krankheit und Tod im engsten Umfeld Anteil. Humboldt suchte in der Folge neue geeignete Felder für die Entfaltung und Vervollkommnung seiner Anlagen. Da durch Napoleons Italien-Feldzug das bevorzugte Reisewunschziel aus Sicherheitsgründen vorerst entfiel, zog er mit seiner Familie für vier Jahre in das noch immer von der Revolution bewegte, aber für auswärtige Besucher wieder aufgeschlossene Paris. Im Sommer 1801 kehrte Humboldt mit Frau und Kindern für gut ein Jahr nach Tegel zurück. Im folgenden Frühjahr eröffnete sich für ihn die Chance, auf bequeme und einträgliche Weise nach Italien zu kommen: als preußischer Gesandter beim Heiligen Stuhl in Rom.

Die Faszination, die Rom auf Wilhelm von Humboldt ausübte und die sein sechsjähriges Wirken als preußischer Gesandter dort begründete, erschließt sein Brief vom 23. Rom ist der Ort, in dem sich für unsere Ansicht das ganze Altertum zusammenzieht Es ist allerdings also das meiste an diesem Eindruck subjektiv, aber es ist nicht bloß der empfindelnde Gedanke, zu stehen, wo jener oder dieser große Mann stand. Alexander von Humboldt für mehr als drei Monate den Bruder und die Schwägerin in Rom, bevor er sich in Paris an die umfassende wissenschaftliche Auswertung des gesammelten Forschungsmaterials machte. Dies darf als Zeichen einer intensiven Kommunikation und herzlichen Verbundenheit der mitunter in starken Kontrast zueinander gesetzten Brüder genommen werden. Die Liquidierung des Heiligen Römischen Reiches, den Zusammenbruch Preußens nach der Niederlage bei Jena und Auerstedt sowie die französische Besetzung Berlins 1806 verfolgte Humboldt von seinem Posten in Rom. Ein Urlaubsgesuch zur Regelung von Vermögensangelegenheiten und zur Schadensaufnahme im geplünderten Schloss Tegel bot Humboldt die Gelegenheit zur Rückkehr nach Deutschland.

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