Pluralismus statt Katholizität? PDF

Ein Demonstrant in den USA ruft zur Umkehr zu Jesus und zum Bibelstudium auf. Nicht behandelt wird in diesem Artikel der Fundamentalismus von christlichen Sondergruppen, z. Meist stimmen Anhänger des christlichen Fundamentalismus mit konservativen, als biblisch verstandenen Werten bezüglich der Treue überein, was auch auf die Sexualmoral pluralismus statt Katholizität? PDF Auswirkung hat, so etwa auf das Verständnis von Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe oder von Abtreibung. Die Evolutionstheorie wird in der Regel abgelehnt.


Författare: Bertram Stubenrauch.
Seit den Tagen des Zweiten Vatikanischen Konzils
wird auch in der katholischen Kirche intensiv über das
Verhältnis des Christentums zu anderen Religionen
diskutiert. Dabei geht es nicht in erster Linie um den
Dialog im praktischen Sinn, sondern um das Selbstverständnis
des Christentums angesichts der Pluralität
von Religionen. Das öffentliche Bewusstsein hat sich
weitgehend auf eine indifferente Position zurückgezogen,
der wissenschaftliche Diskurs ergeht sich in
Theorieerörterungen oder Pragmatismen. Das Buch
setzt bei der Überzeugung von der einmaligen und
unüberbietbaren Menschwerdung des göttlichen
Wortes an. Es wird sichtbar gemacht, dass christliche
Religionstheologie weder zur Relativierung des Eigenen
noch zur Geringschätzung des Fremden führen muss.
Sie ist vielmehr eine Möglichkeit, den Gott aller Menschen
unbeschadet ihrer religiösen Überzeugungen
zur Sprache zu bringen.

Die Gegenmodelle sind auch als Kreationismus oder Intelligent Design bekannt. Es gibt christlichen Fundamentalismus unterschiedlicher konfessioneller Ausprägung, unterscheidbar nach seiner Herkunft, seiner Entwicklung oder nach den jeweils für unverzichtbar erklärten Lehren. Der Begriff Fundamentalismus ist nur selten eine Eigenbezeichnung. Meistens handelt es sich um die Sichtweise von Kritikern und Gegnern. So verstehen sich protestantische Fundamentalisten selber als bibeltreu.

Der Protestantismus in den USA geriet nach dem Sezessionskrieg in eine Krise. Als Reaktion darauf wurden neue Ideen entwickelt, um mit den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen zurechtzukommen. Daraus ist der protestantische Fundamentalismus entstanden. Auslöser der kritischen Betrachtung durch die Presse war die Bekämpfung der Evolutionstheorie. Dazu hat wesentlich der Scopes-Prozess von 1925 beigetragen. Als Folge dieses Prozesses war die Mehrheit der auflagenstarken Presse gegen die christlichen Positionen gerichtet. Dadurch wurde die Entflechtung zwischen konservativen und liberalen Christen gefördert.

Sowohl die protestantisch-fundamentalistisch wie auch evangelikal geprägten Kirchen lehnen die liberale Theologie ab. Mit Recht hat der Fundamentalismus darauf hingewiesen, dass die historische Kritik den biblischen Text nicht vor der Usurpation durch den Ausleger bewahrt hat, obwohl genau das ihre ureigenste Intention war. Im deutschsprachigen Europa wurde die fundamentalistische Bewegung im Unterschied zu den USA nie stark. Dort ist die Geschichte anders verlaufen: Zwischen der pietistischen Bewegung und der neo-evangelikalen Bewegung gibt es viele verschiedene Zwischenformen.

Ein Merkmal des radikalen Flügels des protestantischen Fundamentalismus ist die doppelte Trennung: Fundamentalisten lehnen nicht nur jede Zusammenarbeit mit Leuten ab, die aus ihrer Sicht falsche Lehren vertreten, sie lehnen auch die Zusammenarbeit mit aus ihrer Sicht rechtgläubigen Leuten ab, die mit Vertretern einer falschen Lehre zusammenarbeiten. Die Auftrennung von radikalen, oft calvinistisch geprägten Fundamentalisten und gemäßigten Evangelikalen hatte auch innerkirchliche Folgen. Die beiden Richtungen entflochten sich in den USA, teilweise auch anderswo, in einem über Jahrzehnte dauernden Prozess in unterschiedliche Kirchen und Kirchenbünde. Die Fundamentalisten sind kirchlich hierarchischer gegliedert, die Evangelikalen haben einen starken innerkirchlichen Pluralismus mit demokratisch geprägtem Laien-Priestertum und freier Meinungsäußerung, wobei es alle denkbaren Zwischenformen gibt.

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