Bourdieu-Handbuch PDF

Formen Neuer Selbständigkeit gründen häufig auf der Entstehung neuartiger Tätigkeitsprofile, die auf persönlichen Wissensbeständen und Fähigkeiten basieren und vergleichsweise geringe Anforderungen an ökonomische und personelle Ressourcen stellen. Die Neue Selbständigkeit ist vor allem durch die „domestication“ des Arbeitsplatzes gekennzeichnet. Darunter wird nicht nur das Ausüben der Arbeit von Zuhause bourdieu-Handbuch PDF, sondern vor allem die Befreiung von Weisungsgebundenheit bei der Arbeitsausführung und ein höherer Freiheitsgrad bei Entscheidungen.


Författare: .
Leben, Werk und Wirkungsgeschichte eines einflussreichen und engagierten Intellektuellen
Ein Leitfaden durch Bourdieus Begrifflichkeiten und Themenfelder
Mit Bibliografie, Glossar und Register

Der Begriff der Neuen Selbständigkeit wurde in den 1980er Jahren durch Gerd Vonderach geprägt und von der Soziologie aufgegriffen, die damit eine soziokulturell und beruflich heterogene Gruppe mit dem Ziel der eigenverantwortlich-alternativ organisierten Arbeit definierte. Formen der Selbständigkeit sind insbesondere die altbekannten Freiberufler, Selbständige und Kleinbetriebe ohne Angestellte. E-Lancer, mehrfach Beschäftigte, Micropreneurs oder Netpreneurs. Arbeitskräfte aber in weitgehend wirtschaftlich-organisatorischer Abhängigkeit verbleiben. Hintergrund ist personelle und finanzielle Entlastung. Diese Formen fallen zwar nicht direkt unter das Profil des Neuen Selbständigen, beide Erscheinungen sind jedoch als Ausdruck einer Entwicklung zu sehen, die sich durch gewählte oder erzwungene Verantwortungsverlagerung auf den „Arbeiter“ auszeichnet.

Die klassischen Branchen neuer Selbständigkeiten können weitestgehend der Kultur- und Kreativwirtschaft zugerechnet werden. Jedoch kommt es auch in anderen Bereichen wie beispielsweise der ambulanten Pflege oder der Informatik zu einem immer größeren Anteil selbständiger Arbeitskräfte. Generell wird angenommen, dass sich die Anzahl der Selbständigen auch in anderen Wirtschaftsbereichen weiter erhöhen wird. Der neue Selbständige verortet sich zwischen den klassischen Arbeitsrollen des Unternehmers, des klassischen Selbständigen und des Arbeitnehmers. Mit der Figur des Unternehmers gemeinsam haben die neuen Selbständigen, dass sie in Bezug auf ihr eigenes Arbeitsvermögen und das eingesetzte Kapital unternehmerisch handeln. Sie sind für die Produkt- oder Projektentwicklung und den Erfolg verantwortlich und stehen ständig in einer Kunde-Auftragnehmer-Beziehung. Selbständigen grenzt der neue Selbständige sich insbesondere durch die verstärkte Vermarktlichung von Arbeits- und Leistungsverhältnissen ab.

Freie Berufe umfassen in der Regel ein eng umrissenes, berufsstrategisch abgeschottetes Feld privilegierter Erwerbstätigkeit als typisches Ergebnis von Professionalisierungsstrategien. Im Gegensatz zum fordistischen Arbeitnehmer bewegt sich der postfordistische Auftragnehmer entweder frei auf dem Markt oder gliedert sich an ein Unternehmen an, das marktliche Strukturen in die Beziehung zum Arbeitenden integriert. Arbeitsinhalt, Arbeitsplatz und Arbeitszeit sind kaum noch vordefiniert oder vorgegeben, abgeglichen wird das Arbeitsergebnis über die Form des Honorars. Die Neue Selbständigkeit hat gegenüber der Lohnarbeit auch Nachteile. Erwähnenswert ist beispielsweise das große Geschäftsrisiko, das jeder Selbständige eingehen muss.

Die Unsicherheit, gestärkt durch Marktmechanismen und große Konkurrenz, und die Angst vor Verschuldung und Insolvenz sind ständige Begleiter. Es kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass ein soziales Netzwerk die Versorgungsfunktion übernimmt. Es kann jedoch als Gegenbewegung zur zunehmenden sozialen Diskontinuität verstanden werden. So weicht diese Deregulierung bestehende institutionelle Muster immer weiter auf und es entstehen netzwerkartige Strukturen, welche weniger schwerfällig als dauerhafte Strukturen sind.

Ein Netzwerk stellt eine Form von Kapital dar: das soziale Kapital. Es ist „abhängig von den direkten und indirekten Beziehungen, die ein Akteur zu anderen Akteuren in einem Netzwerk unterhält. In diesem Zusammenhang spricht Mark Granovetter von der Stärke schwacher Beziehungen. Auch die Wissenschaft hat sich mit dem Phänomen der Netzwerke als Sozialkapital beschäftigt. Die Forschung hat eine Menge an unterschiedlichen Modellen hervorgebracht. Sogenannte Coworking-Spaces finden sich bereits in vielen Großstädten. Grundgedanke dieser Gemeinschaftsbüros ist die räumliche Entgrenzung des proprietären Arbeitsplatzdenkens.

Aufbauend auf der Idee einer Bürogemeinschaft als soziales Netzwerk, erhofft man sich durch die Arbeit verschiedenster Projekte und Akteure auf engem Raum einen verbesserten Wissenstransfer, Synergieeffekte durch Kooperationen oder die Inkubation neuer Projekte. Bekannte Coworking-Spaces in Europa sind beispielsweise das Betahaus in Berlin, das Basement in Kopenhagen oder Le Bureau in London. Vier wirtschaftliche Faktoren gelten als entscheidend: die Entwicklung zur Dienstleistungs- und zur Wissensgesellschaft, die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und das sich an komplexe Marktstrukturen anpassende unternehmerische Verhalten. Mit der Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft wächst für Selbständige der Arbeitsmarkt. Zum einen werden sach- oder personenbezogene Dienstleistungen ihrer Natur nach in kleinunternehmerischer oder selbständiger Form erbracht.

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