Berlin-Weißensee in alten Ansichten PDF

Der Jüdische Friedhof Berlin-Weißensee ist ein 1880 angelegter Begräbnisplatz der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Der Friedhof liegt im Berliner Bezirk Pankow, Ortsteil Weißensee, im Nordosten Berlin-Weißensee in alten Ansichten PDF. Der Eingang befindet sich am Ende der Herbert-Baum-Straße, einer Querstraße der Berliner Allee.


Författare: Michael Haslau.
„Wie lieb ich dich mein Weissensee“, sang einst der Direktor der Weißenseer Stadthalle Willi Heiden-Heinrich über die grüne Oase vor den Toren Berlins. 1920 zum 18. Verwaltungsbezirk des neuen Groß-Berlin erhoben, hat Weißensee diesen Status zwar heute verloren. Die Bewohner sind ihrem Kiez mit seinen Seen und Parkanlagen aber immer noch sehr eng verbunden.
Der gebürtige Weißenseer Michael Haslau führt den Leser anhand von 200 faszinierenden Fotos aus der Zeit von 1895 bis 1950 durch die Straßen seines Kiezes. Die bisher größtenteils unveröffentlichten Aufnahmen zeigen Geschäftsleute und Arbeiter, Fabriken und Schulen sowie die Anlagen rund um das Schloss. Sie dokumentieren anschaulich das Alltagsleben in Weißensee in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Nicht nur alteingesessene Weißenseer sind zum Erinnern, Neu- und Wiederentdecken eingeladen.

Eine Ecke im Norden des Friedhofs, die das ursprüngliche Rechteck abschneidet, wurde für die geplante Verlängerung der Kniprodestraße beansprucht, aber später aus den Planungen herausgenommen. Die Grabstellen bedecken den größten Teil der von der Friedhofsmauer umgebenen Fläche. Im südlichen und westlichen Teil befinden sich in der Friedhofsmauer repräsentative Grabstätten und Mausoleen. Die östliche Begrenzung mit Grabstätten von 1940 und 1941 liegt unmittelbar an den Parzellen der dortigen Kleingartenkolonie. 1983 bis 1984 eine neue Friedhofsumfassung errichtet. Die ab den 1980er Jahren angelegten Grabstätten befinden sich links hinter der Trauerhalle, hier existiert auch ein Urnenfeld.

Eine neue Abteilung liegt links von der Hauptachse zur Indira-Gandhi-Straße hin an der Ecke zur Chopinstraße. Hier befinden sich auch Gräber jüdischer Migranten. Die Gräber sind in 120 gitterförmigen Grabfeldern angeordnet, die unterschiedliche streng geometrische Formen wie Rechtecke, Dreiecke oder Trapeze haben. Die Felder sind alphabetisch und mit Nummern gekennzeichnet, von A1 am Haupteingang bis P5 am südlichen Rand. Das Gebäudeensemble am Haupteingang des Friedhofs wie auch die Friedhofsmauer an dieser Stelle sind im Stil der italienischen Neorenaissance aus gelben Ziegeln erbaut. Die Bauwerke im Eingangsbereich werden flankiert von zweigeschossigen Flachbauten. Im rechten ist die Friedhofsverwaltung mit dem bedeutenden Archiv untergebracht und links das Taharahaus.

Eine 1910 erbaute zweite Trauerhalle mit Nebengebäuden im hinteren Teil des Friedhofs sowie die große Friedhofsgärtnerei wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Ruinen wurden um 1980 abgetragen, ein hügeliges Feld lässt noch den früheren Standort erkennen. Direkt am Eingangsbereich, hinter dem prächtigen schmiedeeisernen Portal, befindet sich eine Anlage zum Gedenken an die sechs Millionen Opfer des Holocaust. 1945 und den Lebenden die das Vermächtnis der Toten erfüllen sollen.

Der Gedenkstein ist kreisförmig von weiteren liegenden Steinen mit den Namen von Konzentrationslagern umgeben. Rechts neben den Gebäuden des Eingangsbereiches beginnt die so genannte Ehrenreihe, die Gräber von besonderen Persönlichkeiten enthält. Hier steht auch der Grabstein des Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus Herbert Baum. Auf dem Friedhof befinden sich auch 1650 Gräber von Juden, die sich während des Naziregimes das Leben nahmen. In der Abteilung VII besteht ein Urnenfeld mit der Asche von in Konzentrationslagern ermordeten Juden. Viele Grabsteine zeugen von Verstorbenen, deren Andenken durch Angehörige hier nur noch symbolisch bewahrt werden kann, da ihre wahre Begräbnisstätte unbekannt blieb. In der zweiten Hälfte des 19.

Jahrhunderts zeichnete sich aufgrund des starken Wachstums der jüdischen Gemeinde ab, dass der Friedhof in der Schönhauser Allee, den die Berliner Jüdische Gemeinde seit 1827 nutzte, bald voll belegt sein würde. Schon bei der Gründung des Friedhofs wurden die Grabstellen eingeteilt in Erbbegräbnisse, Wahl- und Reihenstellen. 1914 ein Ehrenfeld angelegt, auf dem im Ersten Weltkrieg gefallene jüdische Soldaten bestattet sind. Die U-förmige Anlage entstand unter der Leitung des Reichsbaumeisters Alexander Beer und ist von einer übermannshohen Kalksteinmauer umsäumt. Die Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus hinterließ auch ihre Spuren auf dem Friedhof. Im Frühjahr 1943 versteckten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Berlin 583 Thorarollen in der 1910 errichteten Neuen Feierhalle im Südostteil des Friedhofes. Diese wurden durch eine Brandbombe im Sommer 1943 stark beschädigt und konnten nur teilweise aus den Trümmern geborgen werden.

Im Friedhofsgelände war nach den Stadtplanungen eine streiförmige Fläche für die Fortführung der Kniprodestraße nach Norden von Bestattungen freigehalten worden. In diesem Bereich fanden bis 1945 Bestattungen von illegal in Berlin lebenden Juden statt. Die Todesfälle der hier Bestatteten mussten nicht offiziell bei den nationalsozialistischen Behörden angemeldet werden, sodass die Helfenden vor Entdeckung geschützt waren. Bis Anfang der 1940er Jahre bildete die Friedhofsgärtnerei Juden zu Gärtnern aus, damit diese sich nach ihrer beabsichtigten Auswanderung vor allem nach Palästina eine neue Existenz aufbauen konnten. In der Zeit der Deportationen bot der Friedhof auch untergetauchten Juden vorübergehend Unterschlupf. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die meisten Juden Berlins entweder ermordet oder ausgewandert.

1955 weihte die West-Berliner jüdische Gemeinde den Friedhof an der Heerstraße. So wurde der Weißenseer Friedhof nur noch von der kleinen Ost-Berliner Gemeinde genutzt. Jüdische Grabstätten liegen bis zum Jüngsten Tag und kennen keinen Grabschmuck mit Blumen. Anfang der 1980er Jahre wurden ältere Pläne für eine Straßenumgehung an Weißensee vorbei wieder aufgenommen.

1990 reichen nicht aus, um dem Friedhof eine würdige Form zu erhalten. Waren in den 1920er Jahren etwa 200 Angestellte für die Pflege des Friedhofs zuständig, so gab es in den 1980er Jahren nur 16 Festangestellte. Außerdem konnten weitere Bereiche wie 10 bedeutende Wandgrabanlagen saniert werden, deren Gesamtkosten von 284. 000 Euro vom Bund, vom Land Berlin und von der Jüdischen Gemeinde selbst übernommen worden sind. Auf dem Friedhof waren seit 1988 notdürftig die letzten erhaltenen Grabsteine und Gedenktafeln des jüdischen Friedhofs in der Großen Hamburger Straße aus Berlin-Mitte gelagert. Sie befinden sich seit Ende 2009 wieder am alten Standort an der Großen Hamburger Straße. Grabstecker Ewige Pflege, für ein besonders verdienstvolles Mitglied der jüdischen Gemeinde.

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